Andacht

Für Sie persönlich!

 

Pfarrer Croner

Ein altes Märchen erzählt uns: Satan, der Spaß daran hat, alles zu verwirren und durcheinanderzubringen, hatte einen Spiegel gemacht, an dem er seine teuflische Freude hatte. Dieser Spiegel zeigte alles Gute und Schöne ganz und gar zusammengeschrumpft und klein; was aber schlecht war, trat übergroß ins Bild. Überall hielt er diesen Spiegel hin, und es gab kein Land und keine Menschen mehr, die nicht verzerrt darin zu sehen waren. - Eines Tages musste der Böse über das Ekelhafte, dass er im Spiegel sehen konnte, so lachen, dass er ihm aus der Hand rutschte und zerbrach - in tausende, ja millionen Teile. Und ein böser Sturm, ein Orkan, trieb die Splitter über die ganze Erde. Manche Splitter waren so klein wie ein Sandkorn; sie saßen vielen Menschen in den Augen. Diese Menschen sahen an anderen alles verkehrt; sie sahen nur das, was schlecht war. Manche Spiegelscherben waren so groß, dass sie als Fensterscheiben benutzt werden konnten. Man entdeckte nur das Hässliche an seinen Nachbarn. Andere Scherben kamen in Brillen, und wenn jemand so eine Brille aufsetzte, dann tat er sich schwer richtig hinzusehen und gerecht zu urteilen. 

So waren die Menschen damals und sind es oft noch heute. Gott konnte aber einmal wirklich nicht mehr zusehen: Er beschloss, ihnen zu helfen. Er sagte: Ich will der Welt einen neuen, guten Spiegel zukommen lassen. Einen Spiegel, der Güte und Gerechtigkeit widerspiegelt. Und so sandte er Jesus, der allen diesen neuen Spiegel vorhielt. Er zeigte das Gute in den Menschen. Niemanden gab er auf. Er kümmerte sich um die Alten und Kranken und gab ihnen den Trost Gottes. In diesem Spiegel konnte man auch die nachteiligen Seiten eines jeden entdecken, aber nicht unüberwindbar groß. SpiegelViele Menschen liebten diesen Spiegel und liefen ihm nach. Anderen wiederum war sein Engagement für die Schwachen ein Dorn im Auge, sie sahen das „Oben“ und „Unten“ in der Gesellschaft in Gefahr: Sie töteten ihn. Aber da erhob sich ein guter Sturm: Der Heilige Geist, der die Millionen Splitter dieses guten Spiegels über die ganze Welt blies. Und wer nur ein Splitterchen dieses Spiegels ins Auge bekam, sah die Welt und die Mitmenschen so, wie Jesus sie gesehen hat. Das Gute und Schöne fällt zuerst ins Auge, das Böse und Gemeine erscheint überwindbar. Ich wünsche Ihnen gerade anlässlich der frohen und stillen Zeit viele solche Splitter!

Mit herzlichen Weihnachtsgrüßen

 Ihr Pfarrer Elmar Croner